Also habe ich Zeit! Viele haben vielleicht gerade vor Weihnachten immer wieder behauptet: „Ich habe keine Zeit“. Hand aufs Herz: Ist es dir und mir nicht auch recht oft passiert? Der Eindruck entstand: die Zeit reicht nicht aus. Sie rennt mir davon. Und wenn dann etwas dazwischen oder dazukam, dann hieβ es wohl: ich habe keine Zeit. Gemeint war: Dafür habe ich nun wirklich keine Zeit mehr. Zunächst ist es doch der Zeitraum, in dem ich/wir leben, den wir erleben. Es ist also auch meine Lebenszeit, von der der Psalm spricht. Im Ablauf der Geschichte, im Ablauf des Lebens, ein Abschnitt, der gerade dran ist. Vom gegenwärtigen Zeitpunkt aus gesehen, nach Rückwärts und Vorwärts, das ist meine Zeit.
Am Ende eines Jahres und am Anfang eines neuen Jahres sind wir geradezu aufgerufen, über die Geschichte, jeder über seine Lebensgeschichte aber auch über die Zeitgeschichte und über die Zeitgenossen nachzudenken. Also, was so um mich herum aber auch durch mich geschieht.
Die Medien, Fernsehen und Radio, Zeitungen und Zeitschriften, sogar Andachtskalender und kirchliche Veranstaltungen wie Gottesdienste und Andachten, auch die Werbung – verkaufen und kaufen – tragen dazu bei. Ich soll doch wohl meine Zeit bewusst erleben und nicht etwa bloβ erleiden. Es betrifft mich ja. Deswegen wird auch an jeder Jahreswende wieder so viel Aufhebens davon gemacht. Nicht genug, dass das Fernsehen über Krieg und Kriegsgeschrei, über Verbrechen und Skandale, aber auch über Naturkatastrophen berichtet. Nein, Politiker, Regierende, Wirtschaftsbosse, Wissenschaftler halten ihre Reden. Sie versuchen etwas vorauszusagen und machen wohl auch Versprechungen und ermahnen die Menschen, also uns, mitzumachen, unsere Aufgaben und Pflichten ernst zu nehmen. Was halten wir davon? Es gehört zu meiner Zeit!
„Meine Zeit steht in deinen Händen“. Auf einmal ensteht da eine andere Blickrichtung. Könnte jedenfalls enstehen. Von Gott ist hier die Rede. Um meine Zeit richtig zu verstehen, muss ich mich mit Gott befassen. Und zwar – so die Behauptung – von ihm sei meine Zeit abhängig. Gott ist der Herr der Zeit, der Herr auch meines Lebens. Er bestimmt meine Lebenszeit. Er ist der Schöpfer meines Lebens. Aber er begrenzt es
auch. So heisst es in dem Gebet Mose („des Mannes Gottes“, Psalm 90): “Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden“ (in der port. Übersetzung: „Lehre uns, unsere Tage zu zählen, damit unser Herz weise werde“).
Zweierlei könnte dies besagen: Erstens: Es ist ein Trost. Nicht Menschen, nicht mal ich selbst, bestimmen, wie lange meine Zeit dauert. Das ist allein Gottes Sache. Das Gleiche gilt natürlich auch für meine Mitmenschen. Das darf uns doch eine groβe Sorge um die Zukunft abnehmen. Wie das mit unserer Welt und ebenso mit meinem Leben weitergehen kann. So, wenn wir von der Erderwärmung und der Klimaveränderung hören und lesen. Wenn allerlei Naturkatastrophen vorausgesagt werden. Wir empfinden doch, dass unser Leben bedroht ist. Und es ist ja auch wirklich bedroht. Man denke nur an Krankheiten, aber auch daran, was Mitmenschen tun, uns antun wollen. Leute, die uns berauben oder ausnützen wollen. Nicht bloβ Verbrecher, sondern ganz gewöhnliche Zeitgenossen, die auf Gewinn und Profit aus sind. Aber auch an unsere Lebensweise, Straβenverkehr etwa… Müssen wir uns da nicht wehren und zu schützen suchen, uns und unsere Nächsten?
Ja, aber dabei nicht vergessen: der Herr der Geschichte ist Gott: „Er sitzt im Regimente und führet alles wohl…“
An zweiter Stelle aber: Unser Mitwirken ist gefragt und gefordert. Wir sind keine willenlosen Marionetten. Gott, der uns nach seinem Bilde geschaffen hat, erwartet, dass wir handeln und verantwortungsvoll handeln. Wir haben Gaben und Fähigkeiten erhalten, die es anzuwenden gilt. In Verantwortung vor unserm Schöpfer.
An dieser Stelle müssen wir nun den Sohn Gottes ins Spiel bringen. Das liegt ja so nahe, da wir von Weihnachten, dem Fest der Geburt Jesu herkommen. Was er gesagt und getan hat. Er hat durch die Taufe uns hineingenommen in seine Gemeinschaft und in seine Gemeinde. Wir dürfen und sollen ihm nachfolgen. Er gab sein Leben, um zu dienen. Wir als seine Nachfolger können und sollen auch dienen. Mit dem, was wir als Geschöpfe und als Jesu Nachfolger bekommen haben. Meine Zeit also in den Dienst Gottes und meiner Mitmenschen Stellen.

